Je nachdem welche Quellen mensch befragen und wie mensch rechnen will, könnte der diesjährige Internationale Frauentag mit einer genau hundertjährigen Geschichte besonders herausgestellt werden. Das ist aber nicht so. Die lgkl fragt "Warum" und versucht eine Antwort:
Am 08.03.1908 starben 129 Arbeiterinnen bei einem Streik in ihrer Textilfabrik in New York. Die Forderungen dieser Zeit und der nachfolgenden Jahren waren neben Wahl-/Stimmrecht für Frauen, gleichem Lohn für gleiche Leistungen und ausreichendem Mutter-/Kinderschutz auch frauenunspezifische Themen wie Beedingung imperialistischer Kriege, Arbeitsschutz, Achtstundentag und Mindestlohn. Der Charakter war also zum einen sehr kämpferisch und zum anderen nicht auf Frauenbelange beschränkt.
Heute wird oft von "Weltfrauentag" statt von "Internationalem Frauentag" geredet, um die sozialistische Herkunft zu verschleiern. Themen sind häusliche Gewalt an Frauen in Europa, weibliche Genitalverstümmelung oder eher das rätselhafte Verschwinden und Wiederauftauchen der Aktivistin Waris Dirie und bestehende "strukturelle Benachteiligungen", die sich in durchschnittlich 20-26% weniger Lohn im Vergleich zu Männern für die gleiche Arbeit und der geringen Zahl von weiblichen Führungskräften äußert. Diese Forderungen bleiben innerhalb der Logik des kapitalistischen Systems, was auch an den selbst-entlarfenden Slogans wie "Ich bin mehr wert" (DGB), "Frauen verdienen mehr" (ver.di) oder "Investing in Women and Girls" (Vereinte Nationen) deutlich wird.
Wenigstens German-Foreign-Policy blickt sowohl über den rein frauenspezifischen als auch den verwertungslogischen Tellerrand hinaus und berichtet, internationale Zusammenhänge herstellend, dass die starke Zunahme der Verscheppungen und Misshandlungen von Frauen im Kosovo direkt mit dem von der Bundesrepublik forcierten Einmarsch der westlichen Besatzer im Sommer 1999 und der bis heute andauernden Aufsicht in Zusammenhang steht.
Die Junge Welt beschreibt, dass in den letzen Jahren wieder ein Rollback - die Rückkehr zum traditionellen Familienmodell und Desinteresse an Feminismus - zu beobachten ist, dessen Ursachen (auch?) in der zunehmenden Unsicherheit Einzelner im kaptialistischen Verwertungssystem zu finden sind. Die Junge Welt zitiert Frigga Haug mit "Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse" und fordert, dass Antikapitalismus feministisch sein müsse.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Charakter des Tages meist nicht mehr kämpferisch, oft eurozentristisch statt international und reformistisch statt emanzipatorisch ist. Forderungen, die innerhalb der Macht- und Wertlogik bleiben können die "strukturellen Benachteiligungen" nicht beenden, da die Struktur eben nicht hinterfragt wird. Und es genügt auch nicht wenn nur Feminismus nur an einem Jahrestag antikapitalistisch ist.
Die lgkl hatte im Terminkalender zum Internationalen Frauentag gefordert "für transnationales genderqueering!".
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